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Online Journal für populäre Kultur

Kategorie: Popkultur

Architekt der Erinnerung

by Dennis Pohl

Architektur organisiert unsere Umgebung. Doch kann sie auch Einfluss darauf nehmen, wie wir Geschichte wahrnehmen? Stararchitekt Daniel Libeskind hat mit dem Jüdischen Museum in Berlin einen bedeutenden Ort der Erinnerung geschaffen. Er sagt: Architektur kann noch viel mehr

Welche Rolle kann Architektur in einer lebendigen Erinnerungskultur spielen?
Daniel Libeskind:
Informationen, Bildung und Archivmaterial versorgen die Menschen mit Fakten. Aber Architektur geht tiefer. Sie versorgt uns, und das meine ich ganz wörtlich, mit einem Weg, die Welt zu lesen.

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Daniel Libeskind, Copyright: Michael Klinghammer

Wie meinen Sie das?
Architektur sorgt für eine Grundorientierung, erfüllt einen öffentlichen Zweck, sie ist Teil einer Stadt. Sogar ein kleines Gebäude kann dazu aufrufen, dass wir unser Bild einer Stadt neu gestalten. Sie hat das Potenzial, nicht nur einen neuen Gedankengang auszulösen, sondern uns von den Fesseln der Erinnerung zu befreien. Denn ein Teil der Erinnerung beruht wohlmöglich nur auf Gewohnheit und ist damit keine echte Erinnerung.

Was ist „echte Erinnerung“?
Wenn die verbleibenden Zeugen des Holocaust sterben, kann mit Architektur ihre Erinnerung gewahrt werden. Ich kann sie aber auch lebendig machen. Ich kann die Erinnerung zu einer Flamme entfachen, die uns erleuchtet. Architektur kann uns dazu anregen, kreativ mit Geschichte umzugehen.

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Retro 3.0

by Dennis Pohl

Es groovt, es funkt, es glitzert, es menschelt. Mit ihrem jüngst erschienenen Album Random Access Memories kehren Daft Punk zur Erde zurück und treten fortan als organische Supergroup auf. Ein Stilbruch? Keineswegs!

„Let the music of your life give life back to music“ befiehlt der altbekannte Daft Punk-Roboter in den ersten Minuten des jüngst erschienenen Albums des französischen Elektro-Duos. Währenddessen bewegt sich das Bein des Rezensenten bereits nach dem ersten Drittel das Openers wie von Geisterhand im Takt. Diesem Imperativ wohnt etwas durchaus programmatisches inne, denn „give life back to music“ ist so etwas wie das Leimotiv von Random Access Memories.random-access-memories1

Alles klingt organischer, weniger techonoid und nach kaltem Weltraum. Es sind echte Gitarren, aus denen Producer-Legende Nile Rodgers den Lendensaft des Funk heraus groovt, und echte Bässe, die besagte Beine wippen lassen. Es scheint, als seien die beiden Disco-Raumfahrer Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo auf der Erde gelandet, um kurzerhand das legendär-ätzende Studio 54 wiederzueröffnen und der tanzaffinen Menge des 21. Jahrhundert mit einem Trupp der edelsten Gastmusiker noch einmal so richtig nach den Regeln der 70er Jahre einzuheizen.

Doch der erste Gedanke, der sich bei der Rezeption dieses Albums einstellt, nämlich, dass Daft Punk ihrem bisherigen Stil abgeschworen hätten, ist ein Trugschluss. Denn wer in den bisherigen 20 Jahren der Existenz dieses Duos genau hingehört hat, der erkennt, dass die beiden ihre Herangehensweise auf Random Access Memories lediglich auf die Spitze treiben.

Denn zwischen den ersten Hits wie „Da Funk“, späteren Großtaten wie „One More Time“ oder „Harder, Better, Faster, Stronger“ und der ersten Single des neuen Albums, „Get Lucky“, lässt sich ein roter Faden erkennen. Der Kitt: die Anleihe bei organischer Musik, bei Rock und Funk.

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